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213. Eleven-Eleven Matinee

am Sonntag, 19. November 2023, 11:11 Uhr

HARMONICE MUNDI – klingende Himmelsvisionen des 17. Jahrhunderts

Daniela Niedhammer (Cembalo und Orgel), Viktor Töpelmann (Viola da Gamba)
Werke von H.I.F. von Biber, G. Muffat, J.H. Schmelzer, u.a.

„Es sind also die Himmelsbewegungen nichts anderes als eine fortwährende mehrstimmige Musik“ schrieb 1619 der Astronom Johannes Kepler in seinem Werk Harmonices mundi Libri V, den fünf Büchern über die Harmonie der Welt. Da die mathematischen Proportionen himmlischer Planetenbahnen und musikalischer Intervalle übereinstimmen kann der Mensch die fortlaufende Dauer der Weltzeit in einem kurzen Teil einer Stunde mit einer kunstvollen Symphonie darstellen und „das Wohlgefallen des göttlichen Werkmeisters in seinen Werken soweit als möglich nachkosten in dem so lieblichen Wonnegefühl, dass ihm diese Musik in der Nachahmung Gottes bereitet“. Die musikalische Harmonie spiegelt transzendentale Prinzipien und so bietet die Musik den Menschen einen Weg und ein Vokabular sich dem Geheimnis der Welt zu nähern. Zusammen mit den Künstlern dieser ELEVEN-eleven Matinee gehen wir also gemeinsam auf die Suche nach dem Geheimnis der Welt! Wie wundervoll, wenn diese Suche von Erfolg gekrönt wäre …

Für Kepler spiegelt die musikalische Harmonie transzendentale Prinzipien und so bietet die Musik den Menschen einen Weg und ein Vokabular, sich dem Geheimnis der Welt zu nähern. Um dieses »so liebliche Wonnegefühl« einer musikalischen Annäherung an Gott in ihrer Kirche klanglich nachkosten zu können, erwarb das Benediktinerstift Kremsmünster in den 1670er Jahren eine große Anzahl an Streichinstrumenten. Unter diesen befand sich auch eine Bassgambe des Wiener Geigenbauers Hans Khögl von 1674, die bis heute in einem weitgehend originalen Zustand überliefert ist und in diesem Konzertprogramm von dem Gambisten, Musikhistoriker und Spezialisten für historische Aufführungspraxis Viktor Töpelmann wieder zum Klingen und Singen gebracht wird. Das Instrument und der damalige Gambist des Stifts Kremsmünster Matthias Catharina Puecher inspirierten Viktor Töpelmann, sich auf die Suche nach einem passenden solistischen Repertoire und den entsprechenden Klängen aus dem späten 17. Jahrhundert zu machen. Während prächtige Instrumente der Gambenfamilie aus dem süddeutsch-österreichischen Raum – von Khögl in Wien, Johannes Schorn in Salzburg oder Johann Seelos in Linz – erhalten sind, ist keine originäre solistische Gambenliteratur aus der Gegend überliefert. Stattdessen spielten virtuose Gambisten, wie Puecher oder Gottfried Finger (c1660–1730), offenbar Violinmusik auf der Gambe.
So sind in diesem Konzertprogramm neben einer Sonate für Viola da gamba von August Kühnel (1645 – nach 1699) vor allem Transkriptionen von Geigenmusik zu hören: eine Sonate Ignazio Albertinis (c1644–1685), die Gottfried Finger um 1700 für Gambe bearbeitete, eine Violinsonate Johann Heinrich Schmelzers (c1620–1680) und zwei Werke Heinrich Ignaz Franz von Bibers (1644–1704) in Transkriptionen von Viktor Töpelmann. Dazu erklingt Tastenmusik der Zeit von Georg Muffat (1653–1704) und Johann Erasmus Kindermann (1616–1655), gespielt von der Basler Organistin und Cembalistin Daniela Niedhammer.

VIKTOR TÖPELMANN studierte Musik am King’s College London und Barockvioloncello und Viola da gamba an der Royal Academy of Music London und an der Hochschule für Musik Köln. Von 2011 bis 2015 war er Stipendiat der King’s College Graduate School und wurde 2016 mit einer Arbeit über das kulturelle Umfeld der Familie Mozart in Salzburg promoviert.
Viktor Töpelmann ist gleichermaßen aktiv als Cellist und Gambist und tritt regelmäßig als musikalischer Leiter und Dirigent in Erscheinung. Von 2015 bis 2022 war er künstlerischer Leiter des Vokal Ensemble München. Seine profunden Kenntnisse im Bereich der historischen Aufführungspraxis und der historischen Instrumentenkunde dienen Viktor Töpelmann als reiche Inspirationsquelle für ein lebendiges Musizieren. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen über die Familie Mozart, das kulturelle Leben im 18. Jahrhundert in Salzburg und instrumentenkundliche Themen, sowie seine akribisch konzipierten Konzert- und CD-Programme weisen ihn als kreativen Musikforscher und inspirierenden Musiker aus.
In München geboren ist DANIELA NIEDHAMMER seit einigen Jahren als Dirigentin, Cembalistin und Organistin im Raum Basel (CH) tätig. Mit ihrem Barockensemble Der Musikalische Garten gewann sie 1. Preise und Auszeichnungen im Bereich Alte Musik und konzertiert regelmäßig in der Schweiz und Deutschland. Daneben arbeitet sie als Korrepetitorin und Dirigentin und hat die künstlerische Assistenz der Mädchenkantorei Basel inne.
Daniela Niedhammer studierte in Basel an der Schola Cantorum Basiliensis Cembalo/ Generalbass und Orgel. Davor absolvierte sie ein Cembalostudium und eine kirchenmusikalische Ausbildung (A-Diplom) an der Hochschule für Musik und Theater München. Zu ihren Lehrern zählen Jesper Christensen, Christine Schornsheim, Andreas Staier, Lorenzo Ghielmi und Edgar Krapp. Chorleitung studierte sie bei Markus Utz und Michael Gläser.

Programm

11-11-Matinee 213 als PDF

Johann Heinrich Schmelzer (1620–1680)
Sonata IV in D-Dur für Violine und Basso continuo aus Sonatae unarum fidium, seu a violino solo
(Nürnberg 1664), transkribiert für Viola da gamba von Viktor Töpelmann

August Kühnel (1645 – nach 1699)
Sonata VII in G-Dur für Viola da gamba und Basso continuo
aus Sonate o partite ad una o due viole da gamba con il basso continuo (Kassel 1698)

Georg Muffat (1653–1704)
Ciacona in G-Dur für Orgel aus Apparatus Musico Organisticus (Salzburg 1690)

Ignazio Albertini (1644–1685)
Sonata I in d-moll für Violine und Basso continuo aus Sonatinae XII. violino solo (Wien 1692)
transkribiert für Viola da gamba von Gottfried Finger (c1660–1730)

Johan Schop (?–1667)
»Lachrime Pavaen« aus T’Uitnement Kabinet (Amsterdam 1646)

Johann Erasmus Kindermann (1616–1655)
Magnificat octavi toni in G-Dur aus Harmonia organica (Nürnberg 1645)

Heinrich Ignaz Franz von Biber (1644–1704) (13’)
Sonata XIV »Mariä Himmelfahrt« in D-Dur für Violine und Basso continuo aus den »Rosenkranz-Sonaten« (Salzburg c1674), transkribiert für Viola da gamba von Viktor Töpelmann

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(Stand Januar 2024)